In meinem Leben
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In meinem Leben

Eine Radiofahrt nach Hjørring inspiriert zu Gedanken über die wichtigsten Menschen im Leben und deren bleibende Spuren.

Heute Morgen war ich auf dem Weg nach Hjørring. Endlich einmal wieder Zeit, das Radio einzuschalten. Auf PR5 Nordjylland lief eine Sendung, in der verschiedene Künstler, vor allem Skandinavier, Songs der Beatles auf ihre Weise interpretierten. Manche Versionen kannte ich, andere hörte ich zum ersten Mal. Und dann erklang zum Schluss „In My Life“.

Es war, als hätte dieses Lied eine Schublade geöffnet, die ich schon lange nicht mehr bewusst geöffnet hatte.

Ich dachte an die Orte meines Lebens.

An Frankreich. An Italien. An Deutschland. Und an Dänemark, das heute mein Zuhause ist. Ich dachte an Städte, Landschaften, Kirchen, Straßen, Küsten und Häfen.

Orte, an denen ich glücklich war.

Orte, an denen ich gelacht habe.

Orte, an denen ich geweint habe.

Orte, von denen ich mich verabschieden musste.

Doch plötzlich wurde mir klar, dass ich mich eigentlich gar nicht an die Orte erinnerte.

Ich erinnerte mich an die Menschen.

An diejenigen, die viel zu früh gegangen sind und deren Fehlen bis heute spürbar ist.

An Menschen, die nur für eine kurze Zeit Teil meines Lebens waren und trotzdem etwas hinterlassen haben, das bis heute geblieben ist.

An Freunde, mit denen ich unzählige Stunden verbracht habe und deren Wege sich irgendwann von meinen getrennt haben. Nicht im Streit. Sondern weil das Leben manchmal leise in verschiedene Richtungen fließt.

Und an die Menschen, die heute weit entfernt leben. Die ich vielleicht nur selten sehe und mit denen ich trotzdem tief verbunden bin. Weil Nähe eben nicht in Kilometern gemessen wird.

Während ich weiterfuhr, lag irgendwann wieder das Meer neben der Straße.

Ich blickte zum Meer. Plötzlich kam mir der Gedanke, dass dieses gewaltige Meer aus unzähligen einzelnen Tropfen besteht. Jeder für sich fast bedeutungslos. Und doch würde ohne einen einzigen von ihnen genau dieses Meer nicht existieren.

Vielleicht ist unser Leben genauso.

Kein Mensch macht unser Leben allein aus. Aber jeder Mensch, der uns begegnet, ist ein Tropfen in diesem Meer unseres Lebens. Manche bleiben nur einen Augenblick. Andere begleiten uns Jahrzehnte. Einige verschwinden aus unserem Blick, aber nicht aus unserem Herzen.

Und irgendwann erkennt man vielleicht, dass man selbst auch ein Tropfen im Meer der Leben anderer Menschen geworden ist.

Dieser Gedanke gefällt mir.

Vielleicht ist das das eigentliche Vermächtnis eines Lebens. Nicht das, was wir besitzen. Nicht das, was wir erreicht haben. Sondern die Spuren, die wir in den Herzen anderer hinterlassen und sie in den unseren.

Ich erinnerte mich an die Menschen.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.