Manchmal frage ich mich: Wie viel "Blödheit" passt eigentlich in einen einzigen sonnigen Mittag? Falls ihr heute eine Antwort sucht - ich hätte da eine im Angebot. Inklusive neuer Möbel, einer Schlittenhunde-Staffel im Hinterkopf und einem handfesten diplomatischen Zwischenfall in der Nachbarschaft.
Eigentlich fing alles so gut an. Nach drei Wochen Verspätung kamen endlich die neuen Esszimmerstühle. Während die Monteure schraubten, stand die Haustür offen, die Gartentür weit auf - wir haben die alten Stühle schließlich ins Gartenhäuschen verbannt (man weiß ja nie, wann man mal eine Fußballmannschaft zum Essen einlädt). Kurz: Es herrschte reger Durchgangsverkehr. Michael und ich dachten uns: "Bevor wir heute Abend im Gemeindehaus bei Musik, Gesang und Grönland-Vorträgen sitzen, schnappen wir uns noch eine halbe Stunde Sonne."
Wir waren gerade mal ein paar Meter gelaufen, da schlägt das Schicksal zu. Erst huscht eine Katze in die Hecke, und direkt dahinter: Boudelair! Unser Kater. Weit weg von zu Hause.
Ich natürlich sofort im "Besorgte-Katzenmama-Modus": Erstmal ordentlich ausgeschimpft (man muss ja Grenzen setzen), woraufhin er mich ganz betröppelt ansah. Doch dann der Schock: Ein Zahn stand schief! Richtig scharf nach außen gebogen. Panik stieg auf. "Nicht schon wieder der Tierarzt!", dachte ich mir, während ich das (vermeintliche) Sorgenkind hochhob.
Boudelair fand die Rettungsaktion mäßig cool. Er wollte runter, ich hab ihn wieder hochgeschleppt. Er wollte zurück, Michael hat ihn sich geschnappt. Ergebnis: Michael ist jetzt ordentlich zerkratzt und ich habe einen (sanften, aber spürbaren) Bissabdruck im Daumen.
Irgendwann haben wir kapituliert. Der Kater saß schmollend auf der Wiese, wir sind frustriert nach Hause. Ich sah uns schon morgen früh beim Notdienst sitzen.
Während wir also fluchend und zerkratzt versuchten, den „invaliden“ Kater im therapeutischen Zwangskurs Richtung Haustür zu bugsieren, dämmerte mir eines: Wir sind hier nicht allein. Ich wage gar nicht daran zu denken, was die Nachbarn hinter ihren Gardinen gedacht haben müssen.
Zuhause angekommen, setze ich mich auf die Bank im Esszimmer, zücke das Handy und frage "Doktor Google" panisch nach: "Katze Zahn schief - muss ich sterben oder nur mein Kontostand?"
Und während ich so tippe, passiert es: Zuerst stolziert Beppo, unser Erstgeborener, entspannt an mir vorbei. Und direkt dahinter... Boudelair. Der echte Boudelair. Mit perfektem Gebiss und einer Ausstrahlung, die sagte: "Was guckst du so? Ist was?"
Ich hätte das Telefon fast an die Wand geschmissen. Wir haben ernsthaft versucht, einen wildfremden Kater zu entführen. Wir haben ihn zwangsbeglückt, verschleppt und medizinisch fehldiagnostiziert.
Irgendwo da draußen sitzt jetzt ein Kater mit einem schiefen Zahn und erzählt seinen Kumpels: "Leute, glaubt mir kein Wort, aber heute Mittag wurde ich von zwei Verrückten entführt, die ständig meinen Zahn untersuchen wollten!"
Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte. Am Ende wurde es ein hysterischer Mix aus beidem. Die neuen Stühle sitzen sich übrigens hervorragend, auch wenn mein Daumen noch leicht pocht.
Fazit des Tages: Erst gucken, dann abschleppen.
Und: Man darf anscheinend genau so blöd sein, solange es am Ende eine gute Geschichte ergibt!