Standby im hohen Norden
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Standby im hohen Norden

Zwei Jahre leben wir nun im Norden Dänemarks. Doch in der achten Kalenderwoche, dieser grauen und tristesten Zeit des Jahres, fühlt sich vieles schwer an – auch die Rückkehr nach Deutschland.

Standby im hohen Norden

19. Januar 2026

Nun jährt es sich: Seit zwei Jahren leben wir hier oben im Norden von Dänemark. Ein Satz, der so ruhig klingt und doch so viel Bewegung in sich trägt.

Unser Umzug damals war kein einzelnes Ereignis, sondern ein Prozess. Ein halbes Jahr unterwegs sein zwischen zwei Leben. Autos vollpacken, Transporter beladen, losfahren. Über 1100 Kilometer pro Strecke.

Manchmal zwei-, manchmal dreimal im Monat, Michael manchmal sogar viermal. Hin. Zurück. Immer wieder zwischen dem alten Heimatort in Deutschland und dem neuen Zuhause hier im Norden.

Und es lief wirklich wie am Schnürchen. Auto vollpacken, fahren, ausladen, einräumen und kurz ankommen. Ein Tag zum Durchatmen, vielleicht ein zweites Ausschlafen, ein Blick aufs Meer, Wind im Gesicht. Dann wieder zurück.

Es war anstrengend, ja. Aber es war guter Stress. Positiver Stress. Getragen von Vorfreude, von Ziel, von Sinn.

Die Kilometer fühlten sich leicht an. Wir haben sie gemacht, ohne sie zu zählen.

Heute fühlt sich das weit weg an.

Nun naht die achte Kalenderwoche. Und wer Dänemark kennt, weiß: Diese Woche ist… nichts. Wirklich nichts. Kein Feiertag, kein Lichtblick, kein Aufbruch. Grau in Grau. Trist. Die Tage sind kurz, die Stimmung gedämpft, und man hat das Gefühl, als würden überall sprichwörtlich die Randsteine hochgeklappt.

Wer es sich leisten kann, oder wer das Bedürfnis danach hat, fliegt in dieser Woche in den Süden. Sonne tanken. Wärme auf der Haut. Vitamin D, ganz ohne Tabletten.

Für mich ist das gerade keine Option. Überhaupt nicht.

Und doch: Ich müsste dringend nach Deutschland. Da gibt es Dinge zu regeln. Erledigungen. Gespräche. Gedanken, die sich angesammelt haben und schwer auf der Seele liegen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches und trotzdem fühlt sich der Weg dorthin im Moment fast unüberwindlich an.

Ich würde vielleicht alleine reisen wollen.

Mit dem Auto? Nein. Das ist mir gerade zu viel. Viel zu viel. Die Strecke, die Konzentration, das Alleinsein auf der Autobahn. Das alles fühlt sich plötzlich schwer an, wo es früher fast selbstverständlich war.

Also habe ich mir die Zugverbindungen angeschaut. Rational. Vernünftig. Und umweltfreundlich.

Und natürlich ist genau jetzt Baustellenzeit. Gleise werden erneuert. In Dänemark heißt das: Schienenersatzverkehr. Bus statt Zug. Umsteigen, warten, hoffen, dass alles klappt. Und auch das ist mir im Moment zu viel.

So sitze ich nun hier. Nicht wirklich festgefahren, aber auch nicht in Bewegung.

Zwischen dem Wunsch, loszufahren, und der Erschöpfung, die mich zurückhält. Zwischen dem Wissen, dass ich eigentlich nur ein paar Entscheidungen treffen müsste, und dem Gefühl, dass gerade jede Entscheidung Kraft kostet.

Vielleicht gehört auch das zum Leben hier oben im Norden. Diese Wochen, in denen nichts passiert und in denen innerlich umso mehr in Bewegung ist. Vielleicht ist es kein Stillstand, sondern ein Innehalten. Ein kurzes Schweben.

Im Moment fühlt es sich an, als würde ich ein wenig in der Luft hängen. Und vielleicht ist es genau das, was diese Jahreszeit von mir verlangt: nicht sofort eine Lösung, sondern erst einmal das Anerkennen dieses Zustands.

Zwischen dem Wunsch, loszufahren, und der Erschöpfung, die mich zurückhält.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.