Manchmal braucht es einen kleinen Ausflug über die Grenze, um den eigenen Alltag mit völlig neuen Augen zu sehen.
Gestern war ich zu Besuch in Flensburg bei meiner Cousine. Nur ein paar Stunden gemeinsame Zeit und wie das eben so ist, landeten wir am Ende noch kurz in einem großen Supermarkt. Ich wollte eigentlich nur ein paar Kleinigkeiten besorgen, Dinge aus der alten Heimat, die ich hier oben in Nordjütland nicht so leicht bekomme.
Und dann stand ich plötzlich wieder vor dieser Gemüseabteilung. Es war eine riesige Auswahl, alles wirkte übersichtlich und vor allem gab es unglaublich viel lose Ware. Man konnte sich alles nach Lust und Laune selbst zusammenstellen. Genau so, wie ich es früher gewohnt war. Man merkt oft erst, wie selbstverständlich solche Dinge eigentlich sind, wenn man sie eine Zeit lang nicht mehr hat.
Hier bei uns in Nordjütland sieht die Realität nämlich anders aus. Dass die Auswahl an Obst und Gemüse nicht ganz so üppig ist wie in Deutschland, ist völlig okay. Damit habe ich mich längst arrangiert und kann wunderbar damit leben. Was mich jedoch wirklich stört, ist der massive Einsatz von Verpackungen.
Fast alles ist hier in Plastik eingeschweißt. Kartoffeln, Zwiebeln oder Knoblauch findet man nur selten lose. Es sind auch nicht diese luftigen Netze, sondern oft richtig festes Plastik. Dazu kommt eine Eigenheit, die mich jedes Mal wieder irritiert: Viele dieser Produkte liegen direkt im Kühlregal.
Selbst Gemüsesorten, die man eigentlich niemals im Kühlschrank lagern würde, werden hier bei niedrigen Temperaturen präsentiert. Das wahre Problem zeigt sich dann erst zu Hause in der eigenen Küche. Dieses Gemüse wurde im Laden teilweise richtig kalt gelagert. Wenn ich es dann so aufbewahre, wie ich es gewohnt bin, kommt das Produkt mit diesem extremen Temperaturwechsel nicht klar.
Es kippt regelrecht um. Was normalerweise mehrere Tage halten würde, wird plötzlich schnell weich oder bekommt unschöne Druckstellen. Nach etwa 30 Stunden ist vieles oft kaum noch zu gebrauchen.
Also passt man sich an. Man legt plötzlich Kartoffeln und Zwiebeln in den Kühlschrank, obwohl es sich vollkommen falsch anfühlt. Auf einmal ist der Kühlschrank voll mit Lebensmitteln, die dort früher nie einen Platz hatten. Ich habe mich in vielen Bereichen an das Leben hier angepasst. Vieles funktioniert einfach anders, ohne deshalb schlechter zu sein. Aber bei diesem Thema stoße ich an meine Grenzen. Ich vermisse die einfache Möglichkeit, Gemüse lose zu kaufen und mich darauf verlassen zu können, dass es auch außerhalb einer Kühlzone ein paar Tage frisch bleibt.
Dabei fällt mir immer wieder ein Widerspruch auf, den ich bis heute nicht ganz verstehe. Dänemark ist in so vielen Bereichen unglaublich weit vorne, gerade wenn es um Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht. In manchen Dingen wirkt das Land wirklich vorbildlich und durchdacht. Und gleichzeitig habe ich in meinem ganzen Leben noch nie so viel Plastikmüll produziert wie hier.
Besonders bei fertigem Essen fällt das extrem auf. Es ist hier sehr üblich, Mahlzeiten fix und fertig im Supermarkt zu kaufen. Das ist praktisch, keine Frage. Aber diese Gerichte kommen fast immer in stabilen, dicken Plastikboxen daher. Selbst einfache Sandwiches oder das klassische Smørrebrød liegen oft in Verpackungen, die fast zu schade sind, um sie direkt wegzuwerfen.
Mir wurde das neulich besonders bewusst, als ich mit Kollegen am Kai saß. Es gab für alle Sandwiches, die wirklich toll gemacht waren. Aber jedes einzelne davon steckte in einer eigenen, großen Plastikbox. Man steht dann da, blickt auf das Meer und denkt sich: Das kann doch eigentlich nicht unser Anspruch sein.
Vielleicht ist es nur ein kleines Detail im Alltag. Aber genau diese kleinen Unterschiede fallen einem besonders auf, wenn man sie plötzlich wieder anders erlebt.