Zwischen Dunkelheit und Auferstehung: Ein Morgen nach dem Osterorkan
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Zwischen Dunkelheit und Auferstehung: Ein Morgen nach dem Osterorkan

Ein persönlicher Bericht über den verheerenden Aprilorkan in Nordjütland und die österliche Hoffnung danach.

Es gibt Texte, die heute Morgen eine ganz besondere Resonanz in mir auslösen. Ich möchte diesen Ostermontag mit den Worten beginnen, die uns heute in der Kirche begleiten werden:

Se, hvilken morgen, strålende klar. Håbet gryr, der er nyt fra Jerusalem. Stenen er væltet, graven er tom, og en engel betror: "Han er opstået"

Diese Zeilen muss man einfach übersetzen, um das Gefühl zu verstehen, mit dem wir heute eigentlich in den Tag starten wollten:

„Siehe, welch ein Morgen, strahlend klar. Die Hoffnung dämmert, es gibt Neues aus Jerusalem. Der Stein ist weggewälzt, das Grab ist leer, und ein Engel vertraut uns an: 'Er ist auferstanden'“

Doch um diesen „strahlend klaren“ Morgen wirklich schätzen zu können, müssen wir auf das schauen, was wir gestern durchlebt haben. Es war kein gewöhnlicher Feiertag. Was mit einem wundervollen Osterfrühstück begann, fühlte sich im Laufe des Tages wie der Anfang eines Weltuntergangs-Szenarios an. Über den Skagerrak schob sich eine bedrohliche, vollkommen unnatürliche Wand aus Wolken auf uns zu. Innerhalb kürzester Zeit wurde es mitten am Tag stockfinster, als hätte jemand plötzlich das Licht gelöscht.

Was dann folgte, war kein gewöhnlicher Sturm. Es war eine Naturgewalt, die uns seit 31 Jahren, seit dem Rekordjahr 1995, nicht mehr in dieser Härte im April getroffen hat. Mit einem tiefen, markerschütternden Grollen brach der Orkan über Nordjütland herein. Man saß drinnen, während draußen die Welt buchstäblich zerbrach.

Das unheimliche Dröhnen des Windes vermischte sich mit dem Bersten von Glas, als die Orkanböen mit bis zu 160 km/h gegen unser Nordjütland hämmerten. In diesem Moment gewann die Natur die totale Oberhand. Alles um uns herum wurde neu „geordnet“: In einem Wirbelsturm aus Trümmern und roher Gewalt wurden Gegenstände, die seit Jahren fest am Boden verankert schienen, zu schwerelosen Spielzeugen. Trampoline wirbelten wie dunkle Schatten durch die Luft, Dächer gaben dem enormen Druck nach und durch das Heulen des Windes hörte man das dumpfe Krachen, als ganze Wälder in der Nachbarschaft förmlich niedergestreckt wurden.

Man konnte mit bloßem Auge sehen, welche gewaltige Kraft die Natur entfesseln kann und wie klein wir Menschen dagegen eigentlich sind.

Und dann, heute Morgen, dieser unglaubliche Gegensatz. Man wacht auf und es herrscht eine Stille, die fast schon bedrohlich ist nach dem Getöse der Nacht. Ich trete vor die Tür und sehe einen strahlend blauen Himmel. Die Sonne scheint so friedlich auf das frische grüne Gras, als wäre gestern nichts geschehen. Man möchte diesen tiefen Atemzug frischer Frühlingsluft genießen, doch während die Lungen sich füllen, wandert der Blick über das, was geblieben ist.

Es ist ein surrealer Anblick auf meinem Weg zu Fuß Richtung Elling Kirche. Überall dort, wo das Sonnenlicht jetzt so schön im Gras funkelt, liegen die Scherben unserer Existenz. Fast kein Gewächshaus im Ort hat überlebt; die gläsernen Träume vom Gartenjahr liegen in tausend Stücke zersplittert da. Die Wälder, die wir kennen und lieben, wurden in einer einzigen Nacht förmlich gerodet. Stolze Bäume, die wie Dominosteine umgelegt wurden und jetzt die Wege versperren.

Es ist ein seltsames Gefühl: Die österliche Freude über das Licht und das neue Leben trifft auf die Realität eines Nordjütlands, das gezeichnet ist. Aber vielleicht passt das Lied genau deshalb so gut zu diesem Tag. „Der Stein ist weggewälzt“ das Lied handelt davon, dass das Leben am Ende siegt, auch wenn vorher Dunkelheit und Gewalt herrschten. Wir wissen jetzt wieder, dass wir hier oben am Meer immer nur Gäste der Natur sind. Aber wir sind Gäste, die wissen, wie man anpackt.

Wir genießen die Sonne, atmen durch und fangen an, die Spuren des schlimmsten April-Orkans seit 31 Jahren beiseite zu räumen. Die Musik erklingt heute vielleicht ein bisschen lauter, denn die Hoffnung klingt mit.

Der Stein ist weggewälzt, das Grab ist leer, und ein Engel vertraut uns an: 'Er ist auferstanden'

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.