Alles Liebe zum Nikolaustag 6. Dezember 2025
Die folgende Geschichte ist ziemlich alt. Ich habe sie glaube ich im November 2010 oder 2011 geschrieben, nach einem weinseeligen Abend mit Andrea auf den Mannheimer Planken. Ich habe sie damals direkt bei Dromer-Knaur eingereicht und dann beim online-Adventskalender das 12. Türchen bekommen. Ich finde aber, die Geschichte passt gut zum heutigen Datum. Viel Spass beim lesen.
Jingle Bells
„Dashing through the snow In a one horse open sleigh O'er the fields we go Laughing all the way Bells on bob tails ring Making spirits bright What fun it is to laugh and sing A sleighing song tonight Oh, jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh”
Verschlafen sucht sie nach der Aus-Taste des Radioweckers. Endlich hat sie sie gefunden. Sie räkelt sich wie eine Katze und schüttelt sich dann.
Weihnachtsmorgen! Sie hat den Weihnachtsduft aus ihrer Kindheit in der Nase. Ein Gemisch aus Plätzchen, Zimt, Vanille und dem Braten, der in der Röhre wartete.
Sarah springt aus dem Bett und ins Bad. Schaltet das Radio und die elektrische Zahnbürste ein.
„A day or two ago I thought I'd take a ride And soon Miss Fanny Bright Was seated by my side The horse was lean and lank Misfortune seemed his lot We got into a drifted bank And then we got upsot Oh, jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh yeah”
Leise lächelt sie in sich hinein. Schon wieder dieser Weihnachtsklassiker. Der kommt heute wohl auf allen Sendern. Nach ihrer Morgentoilette und dem Frühstück beschließt sie ins neu eröffnete Einkaufszentrum zu fahren, um die restlichen Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Zum Glück fällt der Heiligabend auf einen normalen Arbeitstag, sonst hätte sie es wieder einmal nicht geschafft, alles zu besorgen.
Sie steigt in die Straßenbahn, in der zur Feier des Tages Weihnachtsmusik aus den Lautsprechern erklingt.
“Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh
Dashing through the snow In a one horse open sleigh O'er the fields we go Laughing all the way Bells on bob tails ring Making spirits bright What fun it is to laugh and sing A sleighing song tonight”
Das kann nicht wahr sein! Gibt es kein anderes Weihnachtslied?
Im Einkaufszentrum ist die Hölle los. Unglaublich, wie viele Menschen noch auf den letzten Drücker Geschenke einkaufen. Man sollte nicht glauben, dass es schon seit Ende September Weihnachtsartikel zu erstehen gibt …
Sarah taucht ein ins Gewühl.
Sie geht durch ein paar Geschäfte, nimmt hier ein paar Christbaumkerzen und da eine Lichterkette mit. Im Geschenkpavillion kauft sie einen Raumduft für ihre beste Freundin und in der Weinhandlung einen teuren Grappa für den Schwager.
Auf dem Weg ins Obergeschoß singt die ältere Dame auf der Rolltreppe hinter ihr:
„Oh, jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh”
Sarah fängt an zu kichern. Es ist unglaublich. Kann nicht einmal jemand „Oh du fröhliche“ oder „Oh Tannenbaum“ singen oder spielen?
Hier im ersten Obergeschoß ist zum Glück etwas weniger los als unten. Sie beschließt einen schnellen Espresso im Eiskaffee zu nehmen. Aber als sie dort eintrifft, formiert sich gerade eine Gruppe Jugendlicher zu einem Chor und stimmt ein Weihnachtslied an:
„A day or two ago I thought I'd take a ride And soon Miss Fanny Bright Was seated by my side The horse was lean and lank Misfortune seemed his lot We got into a drifted bank And then we got upsot Oh, jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh yeah”
Als sie die zweite Strophe anstimmen, eilt Sarah davon. Genug ist genug. Sie erledigt noch ein paar Einkäufe, trifft eine alte Bekannte mit der sie sich kurz unterhält und geht dann zügig zum Supermarkt. Schnell hat sie alles im Einkaufskorb, was sie noch für die Festtage braucht. Aus dem Lautsprecher dringt die ganze Zeit Werbung. Die Kassenschlange ist lang. Mindestens fünfzehn Minuten steht sie an, obwohl gerade dieser Markt damit wirbt, dass jeder Kunde, der länger als zehn Minuten in der Schlage steht einen Gutschein von zehn Euro bekommt. Gelächter, heute sicher nicht!
Endlich kann sie ihre Waren auf das Band packen. Aus dem Lautsprecher kommen nun Weihnachtswünsche und gleich darauf spielt Musik:
„Dashing through the snow In a one horse open sleigh O'er the fields we go Laughing all the way Bells on bob tails ring Making spirits bright What fun it is to laugh and sing A sleighing song tonight Oh, jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh”
Sarah hat das Gefühl jeden Moment überzuschnappen.
Schnell bezahlt sie und verlässt das Geschäft. In ihrem Kopf beginnt es zu hämmern.
Sie versucht sich zu konzentrieren. Was wollte sie noch kaufen?Ach ja, Bernd ihr Bruder, ein passionierter Koch hat sich dieses Santokumesser gewünscht. Das muss sie noch besorgen und dann hat sie alles.
Sie macht sich auf den Weg zum „Kochprofi“. Und leise beginnt sie zu summen:
„Dashing through the snow In a one horse open sleigh O'er the fields we go Laughing all the way Bells on bob tails ring Making spirits bright What fun it is to laugh and sing A sleighing song tonight Oh, jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh Jingle bells, jingle bells Jingle all the way Oh, what fun it is to ride In a one horse open sleigh”
Sie schüttelt den Kopf, schlägt sich dagegen, will dieses Lied nicht mehr hören, aber es geht nicht aus ihrem Kopf. Laut singt sie dagegen an:
„Über sieben Brücken musst Du gehen Sieben dunkle Jahre überstehen Sieben mal wirst Du die Asche sein Aber einmal auch der helle Schein“
Irgendwie kriegt sie noch die Kurve. Sie kommt beim „Küchenprofi“ an, fragt nach dem Messer und kauft es.
Uff, geschafft. Jetzt kann Sarah endlich nach Hause fahren und die Beine eine halbe Stunde hochlegen und vor allen Dingen entspannen. In Ruhe, ohne musikalische Untermalung.
Sie macht sich auf den Weg zum Ausgang.
Ein Weihnachtsmann versperrt ihr den Weg.
„Fröhliche Weihnacht, junge Frau. Ich begrüße sie im Namen unserer Geschäftsleitung als die siebenhundertfünfzigste Besucherin des Tages in diesem Einkaufszentrums und darf ihnen ein Präsent überreichen!“
Der Nikolaus greift in den Sack und Sarah lächelt ihn an. Der Redakteur vom „Wochenblatt“ ist auch da und zückt die Kamera. Menschen bleiben stehen und umringen die kleine Gruppe.
Endlich hat der Weihnachtsmann das Geschenk parat. „Bitte schön, eine Spieluhr in der Schatulle!“ Er öffnet sie, zieht sie auf und hält sie Sarah entgegen.
Der Fotograf fängt an zu knipsen. Die Spieluhr beginnt eine wohlbekannte Melodie zu spielen:
Sarah greift in die Einkaufstasche, zieht das Santokumesser und sticht damit in den dicken Bauch des Nikolauses. Zieht es wieder heraus, dreht sich um und lässt das vor Schreck erstarrte Menschengrüpplein einfach stehen, während sie leise singt:
„A day or two ago I thought I'd take a ride And soon Miss Fanny Bright Was seated by my side
The horse was lean and lank Misfortune seemed his lot We got into a drifted bank And then we got upsot”