Wenn das Meer plötzlich stärker ist als man selbst
Wer die dänische Serie Badehotellet kennt, erinnert sich vielleicht an die Szene, in der Leslie Frigh beim Baden in Schwierigkeiten gerät und von dem Zimmermädchen Nana gerettet wird.
Als ich kürzlich etwas über sogenannte Rippströmungen gelesen habe, musste ich sofort daran denken.
Denn genau solche Situationen können an vielen Küsten tatsächlich entstehen. Und das Erstaunliche daran ist: Die Gefahr sieht oft überhaupt nicht gefährlich aus.
Die meisten Menschen achten am Strand auf hohe Wellen, Sturm oder schlechtes Wetter. Das erscheint logisch. Doch eine der größten Gefahren kann ausgerechnet dort lauern, wo das Meer besonders ruhig wirkt.
Eine Rippströmung ist keine Strömung, die einen unter Wasser zieht. Das wird häufig angenommen, stimmt aber meist nicht. Stattdessen transportiert sie Wasser vom Strand zurück aufs offene Meer und mitunter auch den Schwimmer, der sich darin befindet.
Das Tückische daran: Diese Bereiche sehen oft friedlicher aus als die Umgebung. Links und rechts brechen die Wellen, dazwischen scheint das Wasser ruhiger zu sein. Viele Menschen wählen genau diesen Bereich, weil er sicherer aussieht.
Dabei kann dort ein regelrechter Strom entstehen, der hinaus aufs Meer führt.
Die eigentliche Gefahr ist oft nicht die Strömung selbst, sondern die Reaktion darauf.
Wer plötzlich merkt, dass der Strand immer weiter entfernt erscheint, bekommt Angst. Der natürliche Instinkt ist dann, mit aller Kraft direkt zurückzuschwimmen.
Genau das sollte man nicht tun.
Rippströmungen können stärker sein als selbst gute Schwimmer. Wer dagegen ankämpft, verbraucht schnell seine Kräfte und gerät schlimmstenfalls in Panik.
Rettungsschwimmer empfehlen deshalb etwas, das zunächst widersprüchlich klingt: Ruhe bewahren und parallel zum Ufer schwimmen. Solche Strömungen sind meist nur begrenzte Bereiche. Wer seitlich aus der Strömung herauskommt, kann anschließend deutlich leichter zurück zum Strand gelangen.
Mich hat überrascht, wie wenig bekannt dieses Thema eigentlich ist.
Vielleicht liegt es daran, dass wir Gefahren meist sehen möchten. Hohe Wellen wirken bedrohlich. Starker Wind ebenfalls. Eine unsichtbare Strömung in einem scheinbar ruhigen Abschnitt des Meeres fällt dagegen kaum auf.
Gerade jetzt im Sommer, wenn viele Menschen an Nord- und Ostsee unterwegs sind, lohnt es sich deshalb, das Wasser etwas genauer zu beobachten.
Und vielleicht auch daran zu denken, dass selbst die Macher von Badehotellet eine Situation gezeigt haben, die näher an der Wirklichkeit ist, als man zunächst vermuten würde.
Denn manchmal ist nicht die Stelle mit den höchsten Wellen die gefährlichste.
Sondern die, die am harmlosesten aussieht.