Weiße Majestäten auf dänischen Feldern: Eine Liebeserklärung an unsere Schwäne
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Weiße Majestäten auf dänischen Feldern: Eine Liebeserklärung an unsere Schwäne

Eine Reise zu den weißen Scharen: Singschwäne als Frühjahrsbooten und der Höckerschwan als Nationalvogel Dänemarks

Vor etwa vier Wochen war ich im Nordosten Jütlands unterwegs. Meine Fahrt führte mich von Voergaard Slot in Richtung Sæby, auf jener malerischen Straße, die parallel zur Ostseeküste verläuft. Plötzlich bot sich mir ein Anblick, der mich fast dazu zwang, rechts ranzufahren: Auf den weiten, grünen Feldern rasteten hunderte, ja gefühlt tausende weiße Vögel. So viele Schwäne hatte ich in meinem Leben noch nie an einem Ort gesehen.

Wie kleine weiße Wolken, die auf die Erde gefallen waren, saßen sie dort im ersten Frühlingslicht. Ich fragte mich: Wo kommen sie her? Warum sind sie hier so beliebt? Und ist Schwan eigentlich gleich Schwan?

Was ich dort auf den Feldern sah, war die „Reisegesellschaft“ der Singschwäne. Während wir in Deutschland oft denken, Schwäne seien einfach immer da, sind diese Vögel wahre Weltenbummler. Dänemark ist für sie das wichtigste Drehkreuz im Norden. Sie kommen aus ihren Winterquartieren in Mitteleuropa und nutzen die dänischen Felder als „Tankstelle“.

Hier ruhen sie sich nicht nur aus, sondern fressen sich die nötigen Energiereserven für ihren gewaltigen Flug nach Island, Skandinavien oder Nordsibirien an. Dort oben, in der einsamen Arktis, werden sie den Sommer verbringen und brüten. Das Besondere an ihnen ist, wie der Name sagt, ihre Stimme. Wenn sie in großen Scharen auf den Feldern stehen, hört man kein aggressives Fauchen, sondern ein weithin schallendes, trompetenartiges Rufen.

Es klingt fast melancholisch, wie ein Konzert aus einer anderen Welt. Für viele Dänen ist dieser Gesang das sicherste Zeichen, dass der Winter endgültig besiegt ist.

Doch es gibt noch den anderen, den wir das ganze Jahr über in unseren Fjorden und Seen sehen: den Knopsvane (Höckerschwan). Er ist derjenige mit dem charakteristischen schwarzen Höcker über dem orangefarbenen Schnabel. Wusstest du, dass er seit 1984 der offizielle Nationalvogel Dänemarks ist? Er setzte sich in einer großen Volksabstimmung gegen die Feldlerche durch. Und das sagt viel über die dänische Seele aus.

Während man dem Schwan in anderen Ländern oft mit einer gewissen Furcht begegnet, man erzählt sich ja schaurige (wenn auch anatomisch falsche) Geschichten über gebrochene Knochen durch Flügelschläge, herrscht hier in Dänemark eine tiefe Bewunderung.

Ein Schwan als Hausgast? Ja, bitte! In Gesprächen mit Einheimischen höre ich immer wieder etwas Erstaunliches: Dänen, die kleine Seen oder große Wasserstellen auf ihren Grundstücken haben, hoffen inständig, dass sich im Sommer ein Schwanenpaar bei ihnen niederlässt. Ein brütender Schwan auf dem eigenen Land gilt hier nicht als Gefahr, sondern als Kompliment der Natur. Es ist ein Zeichen von Frieden und Harmonie. Man ist stolz auf seine „königlichen“ Mitbewohner.

Nur zur fachlichen Einordnung: Im Deutschen heißt der Höckerschwan oft auch "Stummschwan". Das ist ein toller Kontrast zum Singschwan. Die Dänen nennen ihn aber lieber Knopsvane, was viel liebevoller klingt.

Und wir haben zwar über die Rast der Singschwäne gesprochen, aber das Bild am Himmel fehlt noch. Wenn die Singschwäne von den Feldern bei Voergaard aufbrechen, fliegen sie in einer perfekten V-Formation. Das machen sie, um Energie zu sparen. Da sie viel schwerer sind als Gänse, ist ihr Flügelschlag viel langsamer und kraftvoller, man hört ein rhythmisches "Wusch-Wusch", das fast wie ein kleiner Hubschrauber klingt. Auch dieses Geräusch ist unvergesslich.

Und noch etwas darf nicht unerwähnt bleiben: nämlich dass die Schwäne dort oben an den zwei Meeren oft die allerletzte Station einlegen, bevor sie endgültig den Sprung über das Skagerrak nach Norwegen wagen!

Aber nun machen wir uns auf die Spuren von Hans Christian Andersen:

Die Liebe zu den Schwänen kommt nicht von ungefähr. Sie ist tief in der dänischen Kultur und Literatur verwurzelt. Unser großer Dichter Hans Christian Andersen hat dem Schwan gleich zwei literarische Denkmäler gesetzt:

1. Das hässliche Entlein: Die wohl berühmteste Geschichte über Selbstfindung und die Entdeckung der eigenen Schönheit. Jeder Däne wächst mit der Botschaft auf: „Es macht nichts, in einem Entenhof geboren zu sein, wenn man nur aus einem Schwanenei geschlüpft ist.“

2. Die wilden Schwäne: In diesem Märchen verwandelt eine böse Königin elf Prinzen in Schwäne. Nur durch die aufopferungsvolle Liebe und das Schweigen ihrer Schwester Elisa können sie gerettet werden.

Diese Geschichten haben dazu geführt, dass wir im Schwan nicht nur ein Tier sehen, sondern ein edles, fast menschliches Wesen voller Treue und Würde.

Wenn ihr also das nächste Mal im Frühjahr durch unser schönes Dänemark fahrt und die weißen Scharen auf den Feldern seht, haltet kurz inne. Es sind entweder die wilden Singschwäne auf ihrem Weg in die Arktis oder unsere stolzen Nationalvögel, die uns daran erinnern, wie magisch unsere Natur ist.

Hier in Dänemark beißen sie nicht, sie verzaubern uns einfach nur.

Tipp: Wenn ihr das Glück habt, die Singschwäne einmal ganz aus der Nähe zu beobachten, achtet mal auf ihr Gefieder am Kopf und Hals. Viele von ihnen tragen dort einen wunderschönen, gelblich-braunen Schimmer. Das sind keine Schmutzflecken! Da sie auf den dänischen Feldern nach Wurzeln und Knollen gründeln, lagert sich Eisenoxid aus dem Boden in ihren Federn ab.

Im Sonnenlicht glänzt das fast wie der Bernstein, den wir so oft an den Stränden von Skagen suchen. Es ist, als würden sie ein kleines Stück dänisches Gold als Souvenir mit auf ihre Reise in den hohen Norden nehmen. Wenn ihr sie also bei ihrem letzten Zwischenstopp in Skagen seht, bevor sie über das Meer verschwinden, wisst ihr jetzt genau, warum sie so herrlich funkeln!

Hier in Dänemark beißen sie nicht, sie verzaubern uns einfach nur.

💡 Singschwäne erkennen: Das goldene Gefieder

Wenn ihr das Glück habt, die Singschwäne einmal ganz aus der Nähe zu beobachten, achtet mal auf ihr Gefieder am Kopf und Hals. Viele von ihnen tragen dort einen wunderschönen, gelblich-braunen Schimmer. Das sind keine Schmutzflecken! Da sie auf den dänischen Feldern nach Wurzeln und Knollen gründeln, lagert sich Eisenoxid aus dem Boden in ihren Federn ab. Im Sonnenlicht glänzt das fast wie Bernstein.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.