Ankommen in Dänemark: Über das Verändern und Verändertwerden
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Ankommen in Dänemark: Über das Verändern und Verändertwerden

Reflektionen über das Ankommen in Dänemark: Was es bedeutet, sich selbst zu verändern, statt ein Land verändern zu wollen.

Ankommen in Dänemark: Über das Verändern und Verändertwerden 24. November 2025

Heute habe ich einen Facebook-Beitrag gelesen, der mich nachdenklich gemacht hat – und ja, auch etwas provoziert. Eine junge deutsche Frau hat mit viel Mühe und Herzblut einen Stand auf einem dänischen Weihnachtsmarkt betrieben und dort Ablehnung erlebt. Das tut weh, ohne Frage. Niemand sollte sich ignoriert oder herabgewürdigt fühlen, schon gar nicht in einer Umgebung, die eigentlich für Gemütlichkeit und Gemeinschaft steht.

Und trotzdem kam mir beim Lesen ein Gedanke, den ich auch kommentiert habe:

Wenn du nach Dänemark kommst, um Dänemark zu verändern, bist du hier verkehrt. Wenn du hierher kommst und bereit bist, dich selbst zu verändern, dann bist du hier richtig.

Das klingt hart, aber es ist nicht böse gemeint.

Dänemark ist kulturell anders geprägt. Zurückhaltender, traditioneller, vorsichtiger mit Neuem. Menschen hier brauchen Zeit, bevor sie sich öffnen, sei es im zwischenmenschlichen Kontakt oder bei Dingen wie Kleidung und Design. Bunt und laut wird oft als „fremd” wahrgenommen, nicht automatisch als spannend oder inspirierend.

Ich war neulich in Flensburg unterwegs, habe einen Stadtbummel gemacht und einen Klamottenladen entdeckt, der vor Farben explodierte. Ich stürzte hinein, begeistert von Strickmützen, Röcken, Mänteln, alles knallbunt. Die Verkäuferin erklärte mir stolz, das sei „typisch skandinavische Mode”, entworfen von einer Familie von Sylt mit dänischen Wurzeln. Ich musste lachen – nicht böse, sondern überrascht.

Denn das Bild, das viele Deutsche von Skandinavien haben, ist oft bunter, als es die Realität hier in Dänemark ist. In meiner Region im Norden tragen die meisten Menschen dunkle Farben, besonders im Winter. Selbst im Sommer fühle ich mich manchmal wie ein Pfau mit meinen farbenfrohen Kleidern.

Und doch: Ich kaufe solche Sachen. Ich liebe sie. Ich trage sie gerne.

Aber ich versuche sie niemandem zu verkaufen.

Nicht aus Angst, sondern weil ich gelernt habe, dass Mode und Tradition hier sehr eng miteinander verbunden sind. Die Dänen bewundern manchmal etwas Neues, sagen sogar: „Das sieht hübsch aus.” Aber das heißt noch lange nicht, dass sie es kaufen oder übernehmen wollen. Es entspricht einfach nicht ihrer Kultur.

Was viele unterschätzen, ist die Rolle der Sprache. Wenn man jemanden auf Dänisch anspricht und direkt danach fragt, ob man nicht lieber eine andere Sprache sprechen könne, wirkt das hier schnell wie ein Rückzieher. Nicht arrogant, aber unsicher. Und Unsicherheit wird in Dänemark oft mit Distanz beantwortet. Viele Menschen hier haben das Bedürfnis, dass man zumindest versucht, ihre Sprache wirklich sprechen zu lernen. Wenn sie dann selbst anbieten, zu wechseln, ist das etwas anderes. Dann fühlt es sich für beide Seiten richtig an.

Ich glaube deshalb: Es geht nicht darum, dass jemand bunt näht oder aus einem anderen Land kommt. Es geht darum, wie man sich einbringt.

Wer hierherkommt und erwartet, sofort angenommen zu werden, so wie man ist, wird enttäuscht sein. Ankommen in Dänemark bedeutet zuerst zuzuhören, zu beobachten, dazuzulernen und zu verstehen, wie die Menschen hier ticken. Nicht um sich selbst aufzugeben, sondern um auf Augenhöhe anzukommen. Und erst dann entsteht Raum dafür, dass das Eigene seinen Platz finden kann.

Was mir aber ebenso wichtig ist zu sagen: Es tut mir leid, aber diese Art unterschwelliger oder offener Abneigung gegenüber Ausländern gibt es leider überall dort, wo es „zu viele” werden. Egal, um welche Nationalität es geht. Und da muss man nicht anfangen, die Schuld bei den Ukrainern zu suchen. Vielen Dänen sind es inzwischen einfach zu viele Deutsche.

Dahinter steckt oft keine Feindseligkeit, sondern Angst. Angst vor Veränderung, vor dem Verlust eigener Traditionen, vor dem Gefühl, irgendwann im eigenen Land fremd zu werden.

Und man kann als Einwanderer leider nicht erwarten, dass jeder Einheimische alle Einwanderer gut findet. So funktioniert menschliches Zusammenleben selten. Auch wenn ich schon oft gehört habe, dass viele Deutsche sich selbst nicht als Migranten sehen, sie sind es trotzdem. Wir alle, die wir hierhergezogen sind, sind Migranten. Punkt.

Das heißt nicht, dass Ablehnung richtig ist. Aber es bedeutet, dass sie ein Teil der Realität ist, mit der man umgehen muss, wenn man in ein anderes Land zieht.

Die entscheidende Frage ist vielleicht nicht: „Warum fühle ich mich hier fremd?” oder „Warum mögen sie mich nicht?”

Sondern: „Bin ich bereit, mich wirklich einzulassen – auch wenn es unbequem wird?”

Dänemark ist kein Land für schnelle Ankünfte. Es macht es einem oft nicht leicht. Aber wer durchhält, wer sich die Zeit nimmt und einen Platz hier nicht fordert, sondern findet, der entdeckt irgendwann: die Zurückhaltung war nur eine Prüfung. Dahinter liegt eine Tiefe und Wärme, die oberflächliche Herzlichkeit nie haben könnte.

Wenn du nach Dänemark kommst, um Dänemark zu verändern, bist du hier verkehrt. Wenn du hierher kommst und bereit bist, dich selbst zu verändern, dann bist du hier richtig.

💡 Ankommen in Dänemark: Die wichtigsten Erkenntnisse

Versuche, die dänische Sprache zu lernen und zu sprechen. Höre zu, beobachte und lerne die Kultur kennen, bevor du erwartest, sofort akzeptiert zu werden. Verstehe, dass Zurückhaltung keine Ablehnung ist, sondern Teil der dänischen Kultur. Sei bereit, dich selbst zu verändern, ohne dich selbst aufzugeben.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.