Sankt Hans, der Abend an dem ganz Dänemark singt
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Sankt Hans, der Abend an dem ganz Dänemark singt

Ein Bericht über die Feier von Sankt Hans am Strand von Strandby mit historischen Hintergründen zu den Ursprüngen und Traditionen dieses dänischen Festes.

Ein Sommerabend am Meer und die Geschichte hinter Sankt Hans

Gerade komme ich vom Sankt-Hans-Feuer zurück.

Gemeinsam mit Freunden saßen wir auf einer großen Picknickdecke direkt am Meer. Jeder hatte etwas mitgebracht. Käse, Würstchen, Salami, gegrilltes Hähnchen, frisches Brot, Tomaten, Peperoni und natürlich fehlten auch die Getränke nicht. Während die Sonne am längsten Tag des Jahres hoch am Himmel stand, wurde gegessen, erzählt und gelacht. Genau so, wie man sich einen dänischen Sommerabend wünscht.

Pünktlich um 19 Uhr begann dann das offizielle Programm. Der Bürgermeister hielt die traditionelle Båltale, die Feuerrede. Es war übrigens seine Allererste. Seit November ist er der Bürgermeister von Frederikshavn und wir gehören dazu. In Strandby durfte er also die erste Rede halten bevor er dann nach Skagen weiterfuhr.

Anschließend sangen wir gemeinsam mit den vielen Menschen, die sich rund um das Feuer versammelt hatten.

Natürlich durfte auch die berühmte Midsommervise nicht fehlen. Mehr als hundert Stimmen sangen gemeinsam „Vi elsker vort land“. Dann durfte eine junge Band zeigen was sie konnten. Sie spielten "Idas Sommervise" und auch "Lyse Nætter". Danach wurde es noch einmal still. Bevor das Abendlied erklang, beteten wir alle zusammen das Vaterunser.

Währenddessen brannte das Feuer langsam herunter und schickte die Hexe symbolisch auf den Blocksberg.

Doch woher kommen diese Traditionen eigentlich?

Viele Dänen kennen Sankt Hans seit ihrer Kindheit. Die Ursprünge reichen jedoch viel weiter zurück. Der Name Sankt Hans geht auf Johannes den Täufer zurück, dessen Gedenktag am 24. Juni gefeiert wird. Die Kirche legte diesen Tag etwa sechs Monate vor Weihnachten fest, weil Johannes laut Bibel ungefähr sechs Monate älter als Jesus gewesen sein soll.

Daher heißt die Nacht vom 23. auf den 24. Juni in Dänemark bis heute:

Sankt Hans Aften

Die Mittsommernacht am 23. Juni war aber schon lange zuvor ein besonderer Zeitpunkt im Jahreslauf. Bereits in vorchristlicher Zeit glaubte man, dass in dieser Nacht besondere Kräfte wirksam seien.

Das Feuer sollte Schutz bieten und das Böse fernhalten. Deshalb entzündete man Feuer auf Hügeln und an den Küsten. Die heute bekannte Hexe gehört dagegen überraschenderweise noch gar nicht so lange zur Tradition. Historische Quellen berichten erst seit den 1920er Jahren von Hexenfiguren auf den Scheiterhaufen. Sie symbolisieren nicht die historischen Hexenverfolgungen, sondern die Vertreibung dunkler Kräfte und schlechten Unheils.

Ebenso spannend ist die Geschichte des Liedes, das heute jeder mit Sankt Hans verbindet.

„Vi elsker vort land“ wurde 1885 von Holger Drachmann geschrieben und von P.E. Lange-Müller vertont. Ursprünglich war es gar kein Mittsommerlied, sondern Teil eines Märchenspiels. Doch die Verse über die dänische Natur, den Sommer und die Liebe zum Land berührten die Menschen so sehr, dass das Lied schon bald zu einem festen Bestandteil der Mittsommerfeiern wurde.

Die Melodie, die heute meist gesungen wird, stammt übrigens nicht von der ursprünglichen Komposition. Viele Dänen singen eine Version, die die Band Shu-bi-dua 1980 populär gemacht hat. Sie ist einfacher mitzusingen und hat sich deshalb an vielen Orten durchgesetzt.

Als Zugezogene erleben wir solche Abende vielleicht besonders bewusst. Denn hier zeigt sich etwas, das ich an Dänemark sehr schätze: Gemeinschaft.

Menschen treffen sich am Strand oder auf einer Wiese. Sie essen zusammen, singen gemeinsam, hören einer Feuer-Rede zu und genießen einen Sommerabend am Feuer.

Und vielleicht ist das Schönste an Sankt Hans dass es ein Fest ist, das alles vereint:

* alte heidnische Mittsommerbräuche

* christliche Tradition um Johannes den Täufer

* dänische Naturromantik

* Gemeinschaft am Feuer

* gemeinsames Singen

Deshalb empfinden viele Dänen Sankt Hans nicht als religiöses Fest, sondern als einen Abend voller Gemeinschaft, Sommergefühl und dänischer Kultur.

Es war ein wunderbarer Sankt Hans Aften den uns FDF dieses Jahr präsentiert hat und sogar ein Eiswagen hat nicht gefehlt. Wir freuen uns schon wieder auf das nächste Jahr :-)

Und vielleicht ist das Schönste an Sankt Hans dass es ein Fest ist, das alles vereint: alte heidnische Mittsommerbräuche, christliche Tradition um Johannes den Täufer, dänische Naturromantik, Gemeinschaft am Feuer und gemeinsames Singen.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.