was willst du denn damit machen
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was willst du denn damit machen

Eine persönliche Geschichte über Auswanderung nach Dänemark, das Vertrauen in sich selbst und die Erkenntnis, dass nicht alles einen sofortigen Zweck haben muss.

Diesen Beitrag schreibe ich im Rahmen der Blogparade von Katja Schoonbergen zum Thema „Was willst du denn damit mal machen?“. Den Aufruf zur Blogparade findest du hier:

https://schoonbergen.online/was-willst-du-denn-damit-mal-machen/

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„Was willst du denn damit mal machen?“

Ich erinnere mich noch gut an den Moment.

Mein erster Ehemann war verstorben. Corona hatte die Welt fest im Griff. Vieles fühlte sich schwer an. Die Straßen waren leer, die Menschen auf Abstand und ich fühlte mich so einsam wie nie zuvor.

Ausgerechnet in dieser Zeit begann ich, Akkordeon zu lernen.

„Was willst du denn damit mal machen?“, wurde ich gefragt.

Meine Antwort lautete: „Ich weiß es nicht.“

Was ich eigentlich sagen wollte, behielt ich für mich.

Glücklich sein.

Doch Glück war damals irgendwie unpopulär. Während überall von Krankheit, Einschränkungen und Unsicherheit die Rede war, erschien es mir fast unangemessen, auszusprechen, dass ich einfach nur etwas suchte, das meiner Seele guttat.

Also sagte ich nichts.

Und heute, wenn ich an die damalige Zeit denke, muss ich schmunzeln.

Denn wer hätte damals gedacht, dass ich einige Jahre später mit meinem Akkordeonlehrer verheiratet sein und mit ihm gemeinsam nach Dänemark auswandern würde?

Das Leben schreibt tatsächlich die schönsten Geschichten. Allerdings meistens erst im Nachhinein.

Muss denn eigentlich alles einen Zweck haben?

Wenn ich heute darüber nachdenke, begegnet uns diese Frage ständig.

Was willst du denn damit mal machen?

Fast so, als müsste jede Entscheidung sofort ein klares Ziel verfolgen.

Ein Hobby soll möglichst irgendwann Geld einbringen.

Eine Fortbildung soll sich beruflich auszahlen.

Eine neue Sprache soll einen praktischen Nutzen haben.

Und selbst ein Umzug wird oft erst dann akzeptiert, wenn man ihn logisch erklären kann.

Dabei vergessen wir etwas ganz Wesentliches.

Nicht alles, was wir beginnen, muss sofort einen Zweck erfüllen.

Manches darf einfach Freude machen.

Manches darf uns Hoffnung schenken.

Und manches beginnt als kleine Idee, ohne dass wir ahnen, welche Türen sie eines Tages öffnen wird.

Rückblickend ergibt plötzlich alles Sinn

Schon lange bevor ich nach Dänemark auswanderte, schrieb ich gerne.

Als Kind und Jugendliche verschlang ich Bücher und liebte Geschichten. Später begann ich selbst zu schreiben. Doch wie das Leben manchmal so spielt, blieb im Alltag kaum noch Zeit dafür.

Trotzdem ließ mich dieser Wunsch nie ganz los.

Irgendwann sah ich mich in Gedanken in einem kleinen Haus in Dänemark sitzen. Mit Blick ins Grüne. Zeit zum Schreiben. Vielleicht sogar einmal ein Buch.

Mehr war es damals nicht.

Ein Bild.

Ein Traum.

Als wir schließlich nach Dänemark auswanderten, entstand zunächst gar kein Buch.

Es entstand ein Blog.

Eigentlich nur für Familie und Freunde in Deutschland. Ich wollte unsere Auswanderung dokumentieren, erzählen, was wir erlebten, welche Herausforderungen es gab und warum dieses Land unser Herz so erobert hatte.

Aus ein paar Geschichten wurden immer mehr.

Und irgendwann merkte ich, wie sehr mir das Schreiben gefehlt hatte.

Nicht, weil ich damit etwas erreichen wollte.

Sondern weil ich mich dabei selbst wiederfand.

Geschichten erzählen, nur auf unterschiedliche Weise

Einige Zeit später wurde ich Tourguide.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich auch das niemals geplant.

Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass genau dieser Weg zu mir passen musste.

Ich erzähle gerne Geschichten.

Ich nehme Menschen mit.

Ich begeistere sie für ein Land, das ich selbst liebe.

Ob ich durch die Dünen Nordjütlands führe oder einen Blogartikel schreibe, eigentlich mache ich immer dasselbe.

Ich erzähle Geschichten.

Geschichten über Dänemark.

Geschichten über Menschen.

Geschichten über das Leben.

Vielleicht war genau das schon immer in mir angelegt.

Ich konnte es nur viele Jahre lang selbst nicht erkennen.

Nicht jeder Weg ist gerade

Es gibt noch etwas, das mich mein Leben lang begleitet hat.

Ich bin ein gerader Mensch.

Ich versuche, ehrlich zu sein.

Ich sage, was ich denke.

Nicht, um andere vor den Kopf zu stoßen, sondern weil ich glaube, dass Wahrhaftigkeit ein hohes Gut ist.

Das macht mich nicht immer bequem.

Ich ecke an.

Manchmal wünschen sich Menschen diplomatischere Antworten.

Manchmal wäre es einfacher, sich anzupassen.

Aber ich habe gelernt, dass ich mich dafür verbiegen müsste.

Und genau das möchte ich nicht.

Ich glaube, jeder Mensch zahlt irgendwann einen Preis.

Entweder dafür, dass er zu sich steht.

Oder dafür, dass er sich selbst verliert.

Ich habe mich entschieden, lieber zu mir zu stehen.

Meine Antwort heute zu diesem Beitrag in der Blogparade:

Wenn mich heute noch einmal jemand fragen würde:

„Was willst du denn damit mal machen?“

Dann würde ich wahrscheinlich lächeln und antworten:

Vielleicht gar nichts.

Vielleicht muss ich gar nicht wissen, wohin etwas führt.

Vielleicht genügt es, dass es sich heute richtig anfühlt.

Denn die schönsten Dinge in meinem Leben waren nie bis ins Detail geplant.

Sie sind entstanden, weil ich bereit war, den nächsten Schritt zu gehen.

Ohne den ganzen Weg zu kennen.

Du musst nicht wissen, wohin dein Weg führt. Es ist viel wichtiger, dir selbst zu vertrauen, dich anzunehmen und deinen eigenen Weg zu gehen. Der Rest ergibt sich oft erst im Rückblick.

Die schönsten Dinge in meinem Leben waren nie bis ins Detail geplant. Sie sind entstanden, weil ich bereit war, den nächsten Schritt zu gehen.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.