Skagen: Kreuzfahrtschiffe sind nicht das Problem
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Skagen: Kreuzfahrtschiffe sind nicht das Problem

Ein Reiseführer in Skagen räumt mit einem verbreiteten Mythos auf: Kreuzfahrtschiffe sind nicht das Tourismusproblem der Stadt. Die wahre Bedrohung ist die Rücksichtslosigkeit einzelner Besucher gegenüber der Natur und den dort lebenden Robben.

Skagen: Kreuzfahrtschiffe sind nicht das Problem 11. August 2025

Als Reiseführer in Skagen erlebe ich täglich die Realität vor Ort – und sie unterscheidet sich drastisch von dem, was in den sozialen Medien diskutiert wird. Das große Problem deutscher Touristen scheint die Frage zu sein, ob ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt und deswegen die Stadt und die nördlichste Spitze “verstopft” sind.

Aber die Zahlen sprechen eine klare Sprache!

Es ist völliger Unsinn.

Denn bei 50.000-60.000 Besuchern am Tag in der Saison sind die maximal 6.000 Touristen, die mit dem Kreuzfahrtschiff kommen, nur ein Bruchteil dessen, was sich hier tummelt.

Außerdem kommen diese Gäste nicht mit Autos und auch nicht mit Motorrädern.

Sie sind meistens zu Fuß unterwegs oder mit den Reisebussen, die wir zur Verfügung stellen und die wir begleiten.

Deshalb weiß ich auch so genau, was hier geschieht.

Aber immer wieder lese ich in diesen einschlägigen Dänemark-Gruppen, wie schrecklich das angeblich mit diesen Kreuzfahrtschiffen und den vielen Touristen ist, die daher kommen.

Das wahre Problem ist aber die Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur!

Wenn ich dann mit meinen Kollegen auf Grenen stehe – der nördlichsten, in Wirklichkeit nordöstlichen Spitze – überfällt uns jedes Mal das kalte Grauen.

Wir überlegen dann, was wir tun können.

Aber was will man schon tun?

Wenn wir die Menschenmassen sehen, die sich dort aufhalten und die eben nicht vom Kreuzfahrtschiff sind und mit uns auf Tour sind, bekommen wir Angst.

Wir erklären unterwegs unseren Gästen, dass sie den Robben nicht zu nah kommen dürfen.

Dass sie sich fernhalten müssen.

Wir erklären das Verhalten der Mütter, die ihre Jungen nicht mehr versorgen, wenn sie gestört werden.

Wir erklären alles ganz genau – und unsere Gäste halten sich fern.

Die bittere Realität ist aber folgende:

Aber die anderen – die, die sich immer über Kreuzfahrt-Gäste beklagen – stehen dort zu Hunderten, um ein Bild von sich und den beiden Meeren zu schießen und natürlich auch von den kleinen Robben.

Sie kommen immer näher und näher und drängen den Tieren zu Leib.

Oft sehen wir auch, dass Menschen ihre Hunde so nah an diese kleinen Tiere lassen.

Wir reden und reden und reden und machen die Touristen darauf aufmerksam, aber es interessiert niemanden.

Man will unbedingt ein Bild von diesen kleinen Tieren haben.

Wir haben aufgehört zu reden.

Wir haben aufgehört, etwas zu sagen, denn wir haben gelernt, dass ihr euch nichts sagen lasst, dass es euch scheißegal ist, dass ihr für ein Foto mit einer kleinen Robbe deren Leben in Kauf nehmt.

Ihr solltet euch alle schämen.

Die Kreuzfahrtschiffe sind nicht das Problem – ihr seid es. Eure Rücksichtslosigkeit, eure Ignoranz gegenüber der Natur und den Tieren, die hier leben.

Während ihr euch über 6.000 geführte und informierte Kreuzfahrt-Touristen beschwert, seid ihr selbst Teil der 50.000 täglichen Besucher, die unaufgeklärt und rücksichtslos durch die Natur stampfen.

Sorry, das musste ich loswerden, denn die kleine, süße Robbe vom Samstag lag dann am Sonntag tot im Sand!

Die Kreuzfahrtschiffe sind nicht das Problem - ihr seid es. Eure Rücksichtslosigkeit, eure Ignoranz gegenüber der Natur und den Tieren, die hier leben.

💡 Verhalten an Grenen

Halten Sie sich von Robben und deren Jungen fern. Robben-Mütter versorgen ihre Jungen nicht mehr, wenn sie gestört werden. Lassen Sie Ihre Hunde nicht in die Nähe dieser Tiere und verzichten Sie auf zu nahes Fotografieren.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.