Luciafest - Licht im dänischen Winter
14. Dezember 2025
Der 13. Dezember gilt als Tag des Lichts mitten im Winter.
Das Luciafest ist ein Brauch mit christlichen Wurzeln, der auf das Heiligenfest der heiligen Lucia zurückgeht. Er ist vor allem in Schweden verbreitet, wird aber auch in Dänemark, Norwegen sowie unter Finnlandschweden und den dänischen Südschleswigern gefeiert. Das Fest fällt auf den 13. Dezember, den Gedenktag der heiligen Lucia.
In Schweden war dieser Tag vor der Einführung des Gregorianischen Kalenders im Jahr 1752 über mehr als ein Jahrhundert hinweg der kürzeste Tag des Jahres und fiel damit auf die Wintersonnenwende. Inwieweit das Luciafest in seiner heute in Schweden verbreiteten Ausprägung tatsächlich direkt mit der historischen heiligen Lucia zusammenhängt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Einerseits verdankt das Fest seinen besonderen Stellenwert der Tatsache, dass der 13. Dezember lange als dunkelster Tag des Jahres galt.
Das zentrale Motiv des Lichts fügt sich nahtlos in andere winterliche und weihnachtliche Bräuche ein, etwa den Weihnachtsbaum oder den Adventskranz. Seine landesweite Verbreitung erlangte das Luciafest zudem weniger als kirchlicher Feiertag, sondern vielmehr als gelebtes Brauchtum.
Andererseits finden sich deutliche Bezüge zur Legende der heiligen Lucia. Von ihr wird berichtet, sie habe einen Kerzenkranz auf dem Kopf getragen, um beim heimlichen Versorgen verfolgter Christen mit Lebensmitteln die Hände frei zu haben. Auch das weiße Gewand mit dem um die Taille gebundenen roten Band lässt sich symbolisch deuten: als Hinweis auf Lucias Christentum, ihre Zugehörigkeit zu den geweihten Jungfrauen und ihren Tod als Märtyrin. Der Überlieferung zufolge hatte Lucia die Ehelosigkeit um Christi willen gelobt und starb durch einen Dolchstoß in den Hals.
In dieser Lesart steht das weiße Kleid für ihre Jungfräulichkeit, das rote Band für ihr Martyrium.
Auch heute ist das Luciafest vor allem eines: ein Brauch, der Licht in den Winter bringt. Und doch empfinde ich den dänischen Winter überhaupt nicht als dunkel. Im Gegenteil: Wohin ich auch komme, es ist hell. Seit dem 1. November sind die Straßen geschmückt, überall leuchten Kerzen. Seit mittlerweile sechs Wochen sind die Häuser festlich dekoriert. Wenn man abends, oder einfach im Dunkeln, durch die Straßen spaziert, wird man von einem warmen, meist bernsteinfarbenen Licht empfangen. Es strahlt, es wärmt, und es macht mich auf eine stille Weise glücklich.
Hier in Dänemark, zumindest hier oben im äußersten Norden, bringen wir so viel Licht und so viel Wärme in unseren Alltag, dass die anderthalb Stunden Tageslicht, die uns im Winter fehlen, vollständig ausgeglichen werden. Es fehlt uns kein Licht im Alltag. Die Wärme, die Freude und die vielen Lichter, die überall glänzen, schenken ein gutes, geborgenes Gefühl.
Das Luciafest gestern Abend in Skagen war dafür ein wunderbares Beispiel. Anlass war der hundertjährige Geburtstag der Seemannskirche. Zu diesem besonderen Jubiläum wurden Frauen und Mädchen eingeladen, die in den vergangenen Jahren bereits als Lucia fungiert hatten. Es waren so viele Lucias! Eine beeindruckende und zugleich strahlende Prozession, begleitet von traditionellen Gesängen. Ein Moment voller Licht, Gemeinschaft und tiefer Wärme mitten im Winter.