Zwischen Selbsthass und Showgeschäft: Wo bleibt unser Stolz beim ESC?
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Zwischen Selbsthass und Showgeschäft: Wo bleibt unser Stolz beim ESC?

Ein Kommentar zur ESC-Vorentscheid-Show: Kritik an der Moderation und dem Umgang mit deutscher Identität.

Zwischen Selbsthass und Showgeschäft: Wo bleibt unser Stolz beim ESC? Ein Kommentar zur Vorentscheid-Show vom 28. Februar 2026

1. März 2026

Man muss sich nach dem gestrigen Abend im Ersten Programm eine grundlegende Frage stellen: Haben wir in Deutschland jegliches Maß an gesunder Selbstachtung verloren? Was uns dort als „moderne Unterhaltung“ verkauft wurde, war in Wahrheit eine Übung in permanenter Selbstabwertung.

Es ist beschämend zu sehen, wie eine öffentlich-rechtliche Produktion eine Plattform bietet, auf der das eigene Land, das Wetter und die gesamte Identität mit einer derartigen Abfälligkeit kommentiert werden, wie es Hazel Brugger gestern getan hat. Wenn eine Moderatorin, noch dazu mit dem distanzierten Blick einer Schweizerin, nicht ein gutes Haar an dem Land lässt, das sie eigentlich repräsentieren soll, dann ist das keine Satire mehr. Es ist respektlos.

Gerade für mich, die ich seit etwas über 2 Jahren in Dänemark lebe und arbeite, ist dieser Umgang mit der eigenen Identität schwer zu ertragen. Hier in Dänemark bin ich „die Deutsche“. Ich arbeite als Tour Guide und weiß, wie wichtig es ist, ein Land mit Freude und Stolz zu repräsentieren. Ich liebe meine dänische Wahlheimat, aber ich bin natürlich auch Deutsche und möchte stolz auf das Land sein, aus dem ich komme. Wenn ich hier von meinen dänischen Nachbarn auf solche Sendungen angesprochen werde, bleibt nur Fremdscham.

Wie sollen wir bitteschön hoch erhobenen Hauptes nach Österreich fahren und unser Land vertreten, wenn wir uns bereits bei der Auswahl im eigenen Wohnzimmer derart kleinmachen? Wer sich selbst so sehr abwertet, darf sich nicht wundern, wenn er international nicht ernst genommen wird. Ein gesundes Nationalgefühl hat nichts mit Ausgrenzung zu tun, sondern mit der Würde, zu seiner Herkunft zu stehen.

Auch die musikalische Auswahl ließ mich nachdenklich zurück. Zwar gehörte die junge Dame im roten Kleid zu den Favoriten der Fachjury und lieferte stimmlich eine gute Leistung ab, doch im Vergleich zu den anderen beiden Jury-Favoriten fehlte mir persönlich das gewisse Etwas. In einer Atmosphäre, in der Qualität und Ernsthaftigkeit durch „hippe“ Abfälligkeit der Moderation ersetzt werden, scheint der Fokus für die wirklich herausragende musikalische Substanz verloren zu gehen. Es schmerzt zu sehen, wie die Kunst hier zum bloßen Beiwerk einer missglückten Comedy-Veranstaltung verkommt.

Ein Wettbewerb wie der ESC sollte ein Fest der Musik und ein Moment der nationalen Repräsentation sein. Doch solange wir zulassen, dass Moderatoren eine Bühne bekommen, um das Land und seine Menschen vorzuführen, werden wir auf der europäischen Bühne blass bleiben. Wir brauchen keine „coole“ Distanz. Wir brauchen wieder Respekt vor den Künstlern und vor allem: Respekt vor uns selbst.

Wer sein Land international vertreten will, muss erst einmal lernen, zu Hause wieder aufrecht zu stehen.

Wer sich selbst so sehr abwertet, darf sich nicht wundern, wenn er international nicht ernst genommen wird.

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Christine Rentschler Skagen Tourguide · Autorin · Abenteurerin

Ich schreibe von meinem neuen Leben am nördlichsten Zipfel Dänemarks.